LebenskulturUncategorized

CoWorking auf dem Land

Coworking auf dem Land – Eine Verbesserung der Strukturentwicklung

Coworking – Alleine zusammen arbeiten: Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam, aber nicht unbedingt miteinander zu arbeiten.
Die zukünftige Arbeitswelt wirkt sich im Zuge der Digitalisierung bereits auf die Arbeitsorganisationen und Mitarbeitenden aus und ermöglicht es den Arbeitenden ihre Tätigkeit mobil auszuüben, d.h. an einem Ort und zu einer Zeit ihrer Wahl. Die daraus entstehenden Angebote an Arbeitsorten sind vielfältig und nicht nur auf Büroräume gerichtet, sondern auch Werkstätten, Arbeitsflächen in Cafés oder Einkaufszentren. Diese Art der Arbeit ist aus den großen Städten nicht mehr wegzudenken - ein inspirierender, technisch gut ausgelegter Arbeitsplatz außerhalb der eigenen vier Wände.

Coworking auf dem Land könnte dem Aussterben der Kleinstädte und Dörfern entgegenwirken und diese wiederbeleben. Beschäftigte haben die Möglichkeit, an ihrem Wohnort, dem sie emotional verbunden sind, weiterhin zu leben. Sie müssten keinen Kompromiss mehr mit dem damit verbundenen Pendeln eingehen. 

Ein langfristiger Ausblick

Ein Blick in die Zukunft könnte Veränderungen im Bereich der Verkehrsströme aufzeigen. Sollten die Menschen das Coworking-Angebot auf dem Land annehmen, könnten die Ballungsgebiete an Bedeutung verlieren. Der klassische Pendelverkehr würde sich nur auf das Regionale verlagern. Diese Entwicklung hätte eine direkte Auswirkung auf die Verkehrswegeplanung, die Flächennutzung und Strukturplanung auf dem Land.

Doch nicht nur die Pendelströme würden sich ändern, schon jetzt macht sich eine Verlagerung der Präsenzkultur bemerkbar. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich eine Verlagerung der Gewerbeimmobilie beobachten lässt, was einen geringeren Platzbedarf bei vielen Betrieben verursachen wird. Die uns bekannte Organisationsstruktur wird es in der Form und Größe nicht mehr geben. Mit der Änderung der Präsenzkultur werden die großen Organisationen weniger Bürofläche benötigen und reduzieren. So könnte es für viele Betriebe wirtschaftlicher sein die eigene Immobilie zu halten und örtliche Zusammenlegungen unterschiedlicher Branchen zu tätigen. Eine wünschenswerte Folge wäre das Überdenken der Gewerbegebiete im Allgemeinen und eine Neuausrichtung hin zu einem gemeinsamen vernetzten Arbeiten mit besserer Ressourcennutzung.

CoWorking im HeimatOffice Landsberg (www.heimatoffice.de/ho-landsberg)

Diese Veränderung in der Gewerbeimmobilienbranche verändert dann die Nachfrage der ländlichen Immobilien. Die Arbeitenden sind nicht mehr an die Großstädte gebunden und können auf die Einzelimmobilien auf dem Land zurückgreifen. Das könnte einen massiven Umbruch auf die Städtebau- und Städteplanungspolitik bewirken.

Paradox aber wahr – Die Digitalisierung beschleunigt den Trend der Urbanisierung

Eigentlich hat man durch die Digitalisierung und Ausbreitung des schnellen Internets auf dem Land erwartet, dass sich der Lebensmittelpunkt der Menschen dort weiter ausbreitet. Doch das Gegenteil war der Fall. Seit Mitte der 90er Jahren lebten lediglich 30 % der Bevölkerung in den „Mega-Cities“, 2007 zählten schon über die Hälfte der Menschen zu den Stadtbewohnern – laut UN sind von insgesamt 10 Milliarden Menschen auf der Erde ca. 7 Milliarden Menschen in den Städten. Ein wesentlicher Treiber dieser Urbanisierung war der Zuwachs der Internet-Firmen in den Großstädten. Die attraktiven und zukunftssicheren Jobs bietet die Industrie und nicht der ländliche Mittelstand. So verlassen die Menschen ihr ländliches Leben, um der drohenden Arbeitslosigkeit zu entkommen. Wer sich die immensen Wohnungspreise in den Metropolen nicht leisten kann und im Grünen leben will, muss lange und anstrengende Fahrtwege auf sich nehmen. Viele der großen Unternehmen und Industriebetriebe folgen dem Trend in die Stadt, was sich auf die gestiegenen Mietpreise widerspiegelt. Die Explosion der Mietpreise verdrängt den Durchschnittsverdiener auf die Vorstädte und den Speckgürtel. Der Wohnraum wird knapp, die Nachfragte steigt, der Nahverkehr stockt, die Kanalisation und der Straßenverkehr schreit nach Ausbau und Optimierung. Die Folge ist ein steigender Pendlerverkehr und eine weitere Ausweitung des Speckgürtel in den ländlichen Raum hinein – der Donut-Effekt. Die Dörfer und Gemeinden verlieren an Vielfalt, die Läden, Kneipen und der lebendige Kern wird auch in die Vororte der Städte verdrängt.

Generation Beides – das urbane Lebensgefühl auf dem Land

Der Gegentrend lässt sich bereits beobachten. Die jüngere Generation sucht das Stadtgefühl auf dem Land. Bereits seit 2017 lässt sich beobachten, dass immer mehr Menschen, im Alter zwischen 20 und 30 Jahren das „richtige Landleben“ suchen. Gut ausgebildete, junge Leute wollen ganz im Sinne des New-Work-Life-Style ihre Zukunft fernab der Großstädte mit einem urbanen Lebensgefühl verbringen. Der Mix aus Beiden, auf dem Land mit dem Stadtgefühl, wird zu einer völlig neuen Kultur und Qualität auf dem ländlichen Raum.

Author: Marlene Schweizer