Arbeitskultur

Das Homeoffice-Tagebuch, Tag 1

Tag 1

Von allen Ecken und Seiten gibt es derzeit sogenannte Homeoffice-Tipps, "Tipps und Tricks", "Was Sie beachten sollten und was nicht" ...

Ich habe mich gefragt, ob diese (meist recht unpersönlichen) Tipps wirklich so hilfreich sind - und möchte meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Heute, am 18. Juni 2020, starte ich mit meinem Projekt und werde Ihnen wöchentlich einen kleinen Tagesbericht schreiben - wie es mir erging, mit und ohne Tipps und Tricks.

"Tipp: Feste Arbeitszeiten sind wichtig"

Hiermit möchte ich heute anfangen - feste Arbeitszeiten also. Ich runzle etwas die Stirn, da das in meinem Job schwierig ist. Dazu sollte ich vielleicht kurz sagen, dass ich 38 Jahre alt bin, in Teilzeit arbeite mit 30 Stunden und nebenbei zwei verschiedene Studiengänge studiere. Familie habe ich keine.
Aktuell besteht meine Arbeit aus einer Mischung aus Webentwicklung, Marketing, Redaktion und Produktentwicklung, sehr abwechslungsreich. Da wir in unserer Firma das Thema "New Work" nicht nur in Coachings weitergeben, sondern auch in unserem Team konsequent umsetzen, sind meine Arbeitszeiten jeden Tag unterschiedlich - ich kann sie perfekt an meinen Tagesplan anpassen.

Doch wie sieht das Ganze in der Praxis aus?
Heute Früh ging der Tag gegen 8 Uhr los, etwas später als sonst, da gestern bis spät in die Nacht noch Lesen für die Uni auf dem Plan stand. Grundsätzlich kommt mir das aber entgegen, da ich kein Frühaufsteher bin. Normalerweise habe ich Donnerstagvormittag ein Seminar (die derzeit alle virtuell abgehalten werden), das jedoch heute ausfiel, ich habe also gestern Abend, als ich die Nachricht bekam, umgeplant und beschlossen heute Früh gleich mit meiner Arbeit anzufangen. Somit ging es um 9 Uhr mit dem Arbeiten los.

Nachdem ich mit meiner redaktionellen Arbeit, die ich mir für heute vorgenommen hatte, begonnen hatte, meldet sich meine Kollegin am Telefon und wir besprechen einige Dinge, die ich für unsere Webseite ändern soll. Ich schiebe diese Sachen also ein und so hat sich das Schreiben der Artikel nach hinten verschoben. Dazwischen kamen 2 Pakete an, ansonsten hatte ich vier relativ ungestörte Arbeitsstunden.
Inzwischen ist es fast 15:30 Uhr. Ein Mittagessen gab es noch nicht, dafür eine kleine Brotzeit während des Arbeitens am PC. Am frühen Nachmittag musste ich zu zwei kurzen Besorgungen in die Stadt laufen und war nach ca. einer Stunde wieder zurück. Dann ging es gleich wieder weiter an den PC, diesmal wirklich mit dem Schreiben der Artikel, was ich mir für heute vorgenommen hatte. Manchmal gibt es Tage, da fällt das Ideenhaben schwer, aber heute lief es ganz gut. In einer halben Stunde findet ein Online-Teammeeting statt und gleich anschließend um 16:30 Uhr habe ich einen (ebenfalls online stattfindenden) Sprechstundentermin der Universität. Im Anschluss muss ich heute noch einkaufen, kochen und "Mittag" essen, was ich mit einer kleinen Pause verbinden werde, und später geht es dann weiter im Stoff für die Unis, es steht lesen auf dem Programm und das Vorbereiten eines kleinen Vortrags über zwei Monumente im antiken Delphi.

Fazit:

"Feste Arbeitszeiten sind wichtig" -

das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden und interpretieren, für mich kann ich festhalten:
  • ja, ich nehme mir jeden Tag eine Stundenanzahl vor - meistens sind das bei mir 6 Stunden pro Tag, 5 Tage in der Woche, allerdings kann es auch abweichen
  • ja, ich überlege mir (meist schon am Abend vorher) wann ich an dem Tag zu arbeiten anfange bzw. zu welchen Zeiten ich an diesem Tag arbeiten kann
  • nein, ich habe keine ganz fixen Start- oder Endzeiten, sondern eher "Timeslots", die ich für die Arbeit verwende - falls sich etwas kurzfristig verschiebt, bin ich aber flexibel
  • nein, ich stehe nicht planlos auf und fange "irgendwann" an - das würde sich auch zeitlich nicht ausgehen bei mir und zudem halte ich das für "fahrlässig", denn zumindest mir geht es so, dass ich weniger hinbekomme an einem Tag, wenn ich mir lange Zeit lasse und "nicht in die Pötte komme"
Somit meine Wahl - Disziplin und Planung sind sehr wichtig für ein gutes Gelingen des Homeoffices, feste Arbeitszeiten (mit fixer Start- und Endzeit) aus meiner Sicht nicht.