Arbeitskultur

Das Homeoffice-Tagebuch, Tag 3

Ein Pyjama-Tag

Heute starte ich ein kleines Experiment. Ich mache einen Pyjamatag im Homeoffice. Warum? Weil es eine der „goldenen Regeln“ für Homeoffice ist, dass man auf keinen Fall im Pyjama bleiben, sondern sich unbedingt morgens „as usual“ für die Arbeit kleiden und fertig machen sollte.

Die "goldene" Regel: kein Pyjama im Homeoffice

Dies wird nicht geraten, weil der Chef das Recht hat jederzeit vor der Tür zu stehen und den Homeoffice-Mitarbeiter zu kontrollieren (dies darf er nämlich nur nach vorheriger Anmeldung), sondern deshalb, weil unsere Psyche einen nicht unwesentlichen Einfluss auf uns hat und unser Hirn uns suggeriert: „Super, jetzt hast du Arbeitsklamotten an, lass uns arbeiten gehen!“

Es geht schon damit los, dass ich viel später als sonst aufstehe, da ich mich nicht an meinen üblichen morgendlichen Rhythmus halte. Um halb 9 bin ich immer noch im Bett, habe zwar schon kurz über mein Handy in den Teamchat und meine Mails geschaut, aber so richtige Motivation kommt noch nicht auf.
Um mein Experiment “korrekt” auszuführen, mache ich alles, was man nicht tun sollte, mache einen Bogen um das Badezimmer und gehe direkt im Pyjama an meinen Arbeitsplatz. Das Frühstück gibt es am PC, dort sitze ich nun mit müden Augen und in meinem Kopf fragt mich eine Stimme ständig: “Was machst du hier, wieso bist du nicht im Bett?”. Seltsam, wie unsere Psyche so wirkt.

Es kostet mich immens viel Kraft jetzt wenigstens halbwegs mein Gehirn umzuschalten und in den Arbeitsmodus zu gehen. Ich merke das daran, dass es mir zum Beispiel wesentlich schwerer fällt mich zu konzentrieren und mir zu überlegen was ich als nächstes tun möchte. Als ich meinem Chef eine Nachricht schreiben möchte, muss ich mehrfach hinsehen, da ganze Wörter fehlen. Mein Gehirn schläft einfach noch – wer soll es ihm verdenken?
Nach zwei Stunden Arbeit im Pyjama mag ich mich nicht mehr wirklich. Ich sehne mich nach der morgendlichen Toilette und normaler Kleidung.

Inzwischen ist es kurz vor 15 Uhr. Inhaltlich war heute „Tag-der-technischen-Ärgernisse“ im Homeoffice, worüber es in Bälde einen eigenen Artikel geben wird. Ein Freund schreibt mir nachmittags:
Ich hingegen bin heilfroh, wenn ich in Bälde diesen Pyjama-Arbeitstag abschließe und endlich duschen kann. Hier schon mal meine persönlichen Pros und Contras:

Pyjama im Homeoffice:
  • als Notlösung bei Verschlafen sicherlich praktisch, aber…
  • wirkt sich bei mir definitiv auf Stimmung und Konzentration aus, somit auch auf die Arbeitsleistung
  • zusätzlich merke ich Auswirkungen auf meinen gesamten Tag, der deutlich planloser und unstrukturierter abläuft als normal (das fällt mir sogar bzgl. meiner Ordentlichkeit Zuhause auf, die heute sehr viel geringer ist als sonst)

Jetzt freue ich mich auf eine menschliche „Kultivierung“, denn um kurz nach fünf kommt jemand, um mir meinen alten Fernseher abzukaufen und da möchte ich nicht im Schlafanzug die Türe öffnen.

Daher mein Fazit:
Pyjama mag zur Entspannung gut sein – NICHT im Homeoffice!