Lebenskultur

Innenstädte

"Innenstädte haben viel Potential. Durch gemeinsames Engagement können wir dieses nutzbar machen."

»Die Sehnsucht nach Stadt tragen wir in uns, als Idee.«

Alexander Kluge     

»Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen«

Aristoteles         

Z

Die Zukunft der Innenstadt

Unsere Innenstädte haben sich verändert. Nicht zum Guten. Fußgängerzonen werden immer noch besucht, keine Frage, aber das Angebot, das die Menschen dort vorfinden, läßt einen grübeln. Immer mehr Geschäfte stehen leer, und die, die zum Verweilen einladen, sind austauschbare Ketten oder Billig-Läden – kaum der Rede wert. Und die Rede ist den Bürgern wichtig: Wo sonst soll man sich treffen, austauschen, essen gehen, Tagespolitik besprechen, wenn nicht in der Innenstadt. Erst hier kommen die vielfältigen und unterschiedlichen Meinungen zueinander, und Menschen, die sich sonst nicht begegnen würden. Das ist gut. Auch gegen die „Grüppchen“-bildung und Gegnerschaften, die sich so hanebüchen in den Socialmedia darstellen. Jedem seine Peergroup, ohne echten Austausch.

Zudem macht den Innenstadt-Geschäften der zunehmend beliebte Online-Handel zu schaffen. Digital ist gut, die alten „analogen“ Zeiten kommen nicht zurück, die Frage bleibt aber: wie sich Innenstädte in Zukunft aufstellen müssen.

Es hilft, den Leerstand aktiv zu managen. Leerstand nicht nur als Problem zu begreifen, sondern als Chance wahrzunehmen. Die freien Räume bieten Platz für viele Ideen, Geschäftsideen, Projekte und Kultur aller Art. So können auch die Bürger beteiligt werden, die Räume mit Leben zu füllen. Das mag zunächst nur mit temporären Popup Stores gelingen. Ist aber ein erster Anfang.

Landsberg am Lech. Eine Stadt mit viel Engagement für Bürgerbeteiligung.

Diese provisorisch eingerichteten Läden werden nur vorübergehend in leer stehenden Geschäftsräumen betrieben. Sie könnten einzelnen Raum-Objekten Aufmerksamkeit bringen und die Gelegenheit geben, Konzepte auszuprobieren. Will man die Bürger einbinden, und zudem Initiativen aus anderen Orten „anlocken“ ist es sinnvoll den Leerstand digital aufzubereiten, anzubieten und buchbar zu machen.

Innenstädte können auch Perspektiven entwickeln – jenseits von Einkaufen und „Shopping“. Wie wird Wohnen in den Innstädten attraktiv? Bieten sich dort Erlebnis- und Erholungsflächen an? Können dort kleine Manufakturen ihre Ware herstellen, und die Menschen vor Ort „ansprechen“ und in ihre „Welt“ mitnehmen; zB. mit Workshops. Werden Kinder besser in die Innenstadt integriert, zB. mit Spielplätzen, Aktionen, Schulhilfen? Ideen gibt es viele. Sie sollten gesammelt und vorgestellt werden, am besten von den Bürgern selbst.

Welche Mobilitätskonzepte benötigen wir, damit die Menschen sich bequem, sicher und klimaneutral in den Städten bewegen können? Werden Klein-, Mittelstädte und sogar Dörfer aufgrund von immer mehr Arbeit im Home Office starken Zuzug erleben und was würde das für ihre Infrastrukturen bedeuten? Auch Co-Working-Initiativen können sich in den Innenstädten ansiedeln.

Manchmal hilft Umdenken. Zum Beispiel:

In vielen Städten wird seitens der Händler Alarm geschlagen, wenn Parkflächen in der Innenstadt reduziert werden. Die Ursache ist eine falsche Einschätzung der Händler bezüglich der Relevanz von Autos für den Shopper. Das hat eine Umfrage von IASS-Forschenden ergeben. Klar, der Handel spielt immer eine sehr wichtige Rolle in der Innenstadt, aber Einkaufen muss auch lebensfroh und vergnüglich sein – ohne Verkehrsstress. Ebenso aber sind Gastronomie und Kultur wichtig. Komplexe Veränderungsprozesse müssen gemanagt werden. Die bei der Ideengenerierung und Umsetzung erwünschten Gruppendynamik müssen kanalisiert und auf die vereinbarten Ziele ausgerichtet werden. Hierfür bedarf es digitaler Koordinierung, Kommunikation und Ansprechpartner.