StyleUncategorized

Künstler im natürlichen Raum

"Kunst soll und muß auch provozieren. Welchen Maßstäbe  legen wir hierfür als Bürger an?"

 „Leben ist die Lust, zu schaffen.“

Carl Spitzweg,

der 1833 bei einem Kuraufenthalt im ehemaligen Bad Sulz in Peißenberg gelegen, den Entschluss fasste, Maler zu werden.

 

Kunst in der Landschaft

Dass ein Kunstwerk, dessen Kunst es ist, ein Säulen-Ensemble verschiedener, sehr berühmter Künstler in eine unberührte oberbayrische Landschaft zu stellen, Kontroversen und Diskussion auslösen würde, war abzusehen. Vielleicht auch gewollt. Ein Besuch dieser aufregenden, wie interessanten Kunststätte lohnt sich: allein um sich selbst die Frage zu stellen, wieviel Kunst in das Leben integriert werden soll, und was Kunst für das gesellschaftliche Leben beizutragen hat. Die Leute diskutieren: Die einen sehen da zu viel Kunst in der Natur, die anderen erfreuen sich über einen farbenfrohen Input in der Region. Wieder andere schätzen den Diskurs, was Kunst für Lebensräume beizutragen hat. Ohne Frage ist die Säulenhalle ein stilistisches Gebäude, das sich erst in die Landschaft einfügen muss. Angelehnt an die antike Kultur, die Natur, Mensch und Schönheit vereint, ist die Säulenhalle ein Statement und ein interessantes Ausflugsziel, um viele künstlerische Stile, künstlerische Aussagen und künstlerische Artefakte kennenzulernen. Ein Künstler, eine Säule. Und hier sind viele Säulen. Viel Inspiration. Das ist die Stärke von Kunst.

Wiki: „Die Stoa 169 ist eine Künstlersäulenhalle im oberbayerischen Polling, die der Künstler Bernd Zimmer initiiert hat. Sie vereint internationale Künstler an einem Ort: Mehr als 100 Künstler, die von einer Fachjury ausgewählt wurden, gestalteten je eine Säule, die in der Summe ein gemeinsames Dach tragen.“

Ein Aspekt der Stoa 169 liegt darin, die antike Idee der Demokratie mit der Freiheit der Kunst zu verknüpfen: die individuellen Aussagen der einzelnen Künstler-Säulen tragen das Dach der Gesellschaft. Ob das Konzept gelungen ist, davon kann und muss sich jeder Besucher selbst ein Bild machen.

Die Stärke von Stoa 169 ist vielleicht nicht allein ihr Konzept, sondern sind die Besucher selbst, die von der Säulenhalle angezogen und zum Denken eingeladen werden.

Dort tummelt sich jung und alt, viele Menschen treffen sich, und viele unterschiedliche Meinungen und Lebenseinstellungen prallen aufeinander. In der Säulenhalle kann man direkt miteinander reden.

Das ist in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft immer stärker spaltet, und Menschen ihre Dispute oft respektlos in den socialmedia ausbreiteten, Gold wert. Wenn man sich unter dem Dach der Säulenhalle trifft geht es nicht um Bashing, sondern um Fragen, wie man leben will, was Gesellschaft ausmacht, und wie die Zukunft der Menschen und der Welt zu gestalten ist. Wir brauchen ein Narrativ das Zusammenhänge deutlich macht, das große Ganze, und wie der Einzelne durch diese profitiert. Dass man über Kunst „produktiv“ streiten kann, ist ein großes Potential.

Und zur Natur: Natürlich ist die Säulenhalle ein Eingriff in die Natur, von der es unberührt auch in Bayern gar nicht mal so viel mehr gibt. Soviel Kritik muss sein; aber Stil kann Natur auch ergänzen, dann nämlich, wenn das Stilvolle selbst die Natur zurück holt. In der Säulenhalle gibt es einen dünnen Baum, der sich neben all den Säulen einen Weg nach oben bahnt und durch eine Öffnung wächst. Es ist spannend zu sehen, wieviel Raum er sich in dem großen Kunstwerk geben können wird, und wieviel Raum man ihm gibt. Je mehr Kunst und Natur zusammen wachsen, um so mehr Stärke gewinnen die Säulen, die uns tragen. (JBachmann)